
Gedanken zur Jahreslosung 2026 von Pfarrerin Annegret Helmer
Wieder eine Jahreslosung, bei der es gleich um alles geht! Hieß es in diesem zu Ende gehenden Jahr schon herausfordernd genug: „Prüfet alles und behaltet das Gute“, so geht Gott für die Losung 2026 noch entschiedener aufs Ganze und drückt sozusagen den Reset-Knopf: „Alles neu!“
Gott spricht: „Siehe, ich mache alles neu.“ (Offenbarung 21,5)
Muss das sein? Will ich das überhaupt?
Als Kind habe ich Neues meist begeistert begrüßt, oft auch lange herbeigesehnt. Jetzt – an Jahren und Erfahrungen reicher – bin ich da zurückhaltender. Manches Neue hat nicht gehalten, was es mal versprach. Anderes in meinem Leben ist mit den Jahren gewachsen und vertraut, ja, mir lieb und wert geworden und trägt immer noch. Natürlich, Veränderungen, Reformen und manchmal auch Revolutionen müssen sein – einfach, weil die Zeit nicht stehenbleibt und wir mit ihr gehen müssen, um nicht zu erstarren. Die meisten von uns sehen das ein, auch wenn Veränderungsprozesse Kraft kosten und Mühe machen. Im persönlichen Leben, im Beruf, in der Kirche – überall ist Wandel unvermeidlich, damit es lebendig bleibt und wir lebendig bleiben.
Aber so radikal alles neu?
Im letzten Kapitel der Bibel kommt diese Ankündigung: Ein neuer Himmel, eine neue Erde sollen entstehen, eine Welt ohne Schmerz und Not und Tod. Offenbar hält Gott das für nötig. Und ist es das nicht auch? Was ist aus der Welt geworden, von der Gott ganz am Anfang bei der ersten Schöpfung sagen konnte: „Siehe es war sehr gut.“
Nein, vieles war schon damals ganz und gar nicht mehr gut, als der Seher Johannes im Namen Gottes den verfolgten und bedrängten Christen im römischen Imperium diese Aussicht eröffnete. Die Botschaft war klar: „Verliert nicht den Mut. Gott sieht Euch und Eure Not – und er wird sie wenden.“
Und diese Botschaft ist so aktuell und notwendig wie eh und je. Das wissen die am besten, die kein sicheres Einkommen, kein festes Dach über dem Kopf haben. Manche haben kaum mehr als das nackte Leben zu verlieren, müssen dafür täglich leben mit der Angst vor Bomben und Drohnen und all den anderen Formen von Gewalt, mit denen Mächtige und ihre Handlanger den Frieden und die Freiheit von Menschen und Völkern bedrohen und zerstören.
Sie zuerst können aus dieser Losung Zuversicht und Kraft schöpfen – hoffentlich! Und alle anderen, denen die Sehnsucht nach einem neuen Himmel und einer neuen Erde gerade nicht so drängend auf der Seele liegt, die werden erinnert: Gott will eine Welt ohne Willkür und Gewalt. Die Losung fordert uns alle heraus, schon jetzt so zu denken, zu handeln und zu leben, dass wir uns an Gottes neuer Welt ausrichten und dem neuen Himmel und der neuen Erde, die Gott schaffen will, zumindest nicht im Wege stehen.
Der Text ist auch im Gemeindebrief (Ausgabe 4-2025) erschienen.
