Erinnerung und Verantwortung

Ein Projekt zur Memorialtafel in der Friedenskirche – erster Termin: 18.3.2026

In unserer Friedenskirche hängt eine Gedenktafel, die an Verstorbene aus der Gemeinde erinnert. Genannt werden fünf Soldaten, die 1870 im deutsch-französischen Krieg starben und ein Soldat, der während des Völkermordes am Herero–Volk 1906 in der Kolonie „Deutsch-Südwestafrika“, dem heutigen Namibia, ums Leben kam. Die Tafel ist Ausdruck einer früheren Form des Gedenkens und zugleich ein Zeugnis ihrer Zeit. Sprache und Deutungen, die dort verwendet werden, spiegeln ein historisches Gedankengut wider, das heute nicht unkommentiert bleiben darf. Kriege und Gewaltherrschaft, insbesondere koloniale Gewalt und der Völkermord an den Herero und Nama, dürfen nicht verherrlicht oder verharmlost werden.

Vor diesem Hintergrund stellt sich für uns die Frage, wie wir heute verantwortlich erinnern wollen: Wie kann die Tafel so präsentiert werden, dass sie informiert statt verklärt? Und wie können auch die Betroffenen von Krieg und Gewalt sowie betroffene Gemeinschaften in den Blick kommen, an die bislang kaum erinnert wird?

Die Kirchengemeinde lädt alle Interessierten herzlich ein, gemeinsam über eine andere, zeitgemäße Präsentation der Tafel nachzudenken und ins Gespräch zu kommen. 

Drei Veranstaltungen

Filmabend am Mittwoch, 18. März 2026, 18:00 Uhr 

Der Filmabend bietet einen ersten Zugang zum Thema des Völkermords an den Ovaherero und Nama und beleuchtet koloniale Gewalt sowie deren Nachwirkungen bis in die Gegenwart. Der namibische Forscher und Künstler Mark Mushiva, der an den Dokumentarfilmen von Forensic Architecture mitgewirkt hat, ist als Gesprächspartner dabei.

Die Filme und das Gespräch finden in deutscher und englischer Sprache statt, bei Bedarf bieten wir eine Übersetzung ins Deutsche an. Eintritt frei.

Vortrags- und Diskussionsabend am Mittwoch, 29. April 2026 um 18:00 Uhr 

Dieser Abend verbindet künstlerische Intervention mit politischer Analyse. Prince Kamaazengi Marenga ist Ovaherero-Dichter und Chief Coordinator for Ovaherero Reparatory Justice in Europa. Sein Werk verwebt Poesie, Geschichte und gelebte Erfahrung, um sich mit kolonialer Auslöschung, Erinnerungspolitik und Fragen der Verantwortung und Wiedergutmachung auseinanderzusetzen. Felix Henn ist koordiniert das Bündnis Völkermord verjährt nicht in seiner Tätigkeit als Projektreferent bei der Kirchlichen Arbeitsstelle Südliches Afrika mit dem Schwerpunkt Namibia.

Der Vortrag ist in englischer und deutscher Sprache, bei Bedarf bieten wir eine Übersetzung ins Deutsche an. Eintritt frei.

Workshop – der Umgang mit der Tafel (Termin wird noch verabredet)

Der Workshop bildet den praxisorientierten Abschluss der Veranstaltungsreihe. Gemeinsam überlegen wir, wie künftig mit der Gedenktafel umgegangen werden soll: Braucht es eine erklärende Einordnung? Ist eine Ergänzung, Entfernung oder Umgestaltung sinnvoll?

Ort: Gemeindezentrum an der Friedenskirche, Kaiser Wilhelm Str. 39, Essen-Steele

Ansprechperson: Claudio Gnypek, Kontakt per Mail

Anmeldung bitte über dieses online-Formular

Flyer mit Infos zum Ausdrucken (PDF)

Eine Veranstaltung der Ev. Kirchengemeinde Königssteele in Zusammenarbeit mit der Kirchlichen Arbeitsstelle Südliches Afrika (KASA) und der Vereinten Evangelischen Mission (VEM)